Dienstag, Januar 1, 2008
Orientierungshilfen zum Welpenkauf
Welchen Typ Bulldog möchten Sie ?
Jeder Bulldogfan sollte sich zunächst fragen, ob er einen übertypisierten "Ausstellungs-Bulldog" oder einen
alltagstauglichen "Gebrauchs-Bulldog" wünscht.
- Die Kategorie Ausstellungsbulldog findet man
am ehesten bei ACEB-Züchtern, leider oft mit den typischen gesundheitlichen
Einschränkungen durch extreme Ausprägung bestimmter Rassemerkmale, wie riesigem Kopf usw,
wie auf Ausstellungen dieses Zuchtverbandes immer noch zu beobachten ist. Allerdings
gibt es in letzter Zeit Hinweise, dass der Dachverband VDH gewissen Druck auf den ACEB
ausübt, um besonders die Atmung der dort gezüchteten Bulldogs zu verbessern.
Die Zeit wird zeigen, ob dies Erfolg haben wird.
- Den alltagstauglichen Bulldog finden Sie am ehesten bei Züchtern, die NICHT mit ihren gewonnenen Pokalen
und Siegertiteln werben, sondern mit Fotos ihrer Bulldogs, die Charme und natürliche Lebenssituationen zeigen.
Die Art der Papiere ist dabei - bis auf den Preis - bedeutungslos.
- Es gibt unzählige Zuchtvereine, die Ahnentafeln ausstellen.
Gewinnorientierte Züchter einerseits und echte Liebhaber-Züchter andererseits gibt es in wohl jedem dieser Vereine.
Vermeiden Sie es auf schönen Schein und Schönreden hereinzufallen: bleiben Sie kritisch.
Tipps zur Welpensuche :
Lassen Sie sich Zeit, besuchen Sie möglichst viele Zwinger, und scheuen Sie nicht
vor langen Fahrten zurück.
- Nehmen Sie besser Abstand vom Kauf bei einem Züchter von dem sie den Eindruck haben,
dass er von seiner Zucht zu leben versucht. Solche Züchter erkennt man in der Regel an
Zwingeranlagen, denn sie brauchen viele Zuchthunde, um das zum Leben nötige Geld damit zu verdienen.
Und finanzielle Zwänge sowie kommerzielle Überlegungen
sind ein extrem schlechter "Ratgeber" für eine verantwortungsvolle Zucht.
- Lassen Sie sich die Elterntiere und die Unterbringung der Welpen
zeigen. Ist es dort sauber und warm? Hat die Mutter ungehinderten Zugang zu ihren Welpen?
Ein einfaches Indiz für die Pflegesorgfalt des Züchters sind z.B. die Ohren : sind die
Ohren der Mutter und anderer erwachsener Bulldogs
sauber oder ist dort schwarzes Ohrenschmalz bis in die Ohrmuschel zu sehen? (Schwarzes, verhärtetes
Ohrenschmalz ist ein Indiz, wie unser Tierarzt Peter Söhl sagt, dass etwas im Ohr nicht in Ordnung ist.)
- Sehen Sie sich die (Daten für die) Ahnentafel an: Es sollte dort kein Name zweimal auftauchen, denn die
neueren Forschungen in der Populationsgenetik haben den Zusammenhang zwischen einem "Ahnenverlust"
(weniger Ahnen als möglich) und einem Vitalitätsverlust aufgedeckt.
Der Däne Andersen erbrachte den Nachweis, das die Enzyme der Individuen, die ja bekannlich den gesamten
Stoffwechsel steuern, genetisch kontrolliert werden. Das heißt: ein homozygotes (reinerbiges) Enzym hat nur
1 Möglichkeit, ein heterozygotes (mischerbiges) Enzym hat hingegen 2 Möglichkeiten der biochemischen
Reaktionen auf Umwelteinflüsse usw. Deshalb ist auch das Immunsystem, das Verdauungssysten, ja jedes
Arbeitssystem des Körpers bei Mischerbigkeit stabiler und flexibler -
und das bedeutet insgesamt mehr Leistungskraft und eine höhere Vitalität.
- Fragen Sie nach den Auswahlkriterien für genau die Paarung, aus der die Welpen
stammen. Einen perfekten Bulldog gibt es nicht : deshalb ist die Frage wichtig, nach welchen
Gesundheits- und/oder Schönheitskriterien bei der Auswahl der Elterntiere selektiert
und/oder entschieden wurde. Denn manche Züchter selektieren nicht nach
Gesundheitsmerkmalen, sondern sie züchten auch mit gesund-operieren "Champions".
Ebenso werden oft Hündinnen belegt, von denen von vorn herein klar ist, daß sie nicht
natürlich werfen können. (In Österreich wird diesem Mißbrauch gebärunfähiger Hündinnen
z.Z. ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben. Deutschland dürfte im Rahmen der
EU-Konverntion über die Qualzucht - mit diesen und/oder ähnlichen Regelungen - folgen.)
- Bitten Sie um folgende Untersuchungsergebnisse der Elterntiere und besprechen
Sie diese ggf. mit einem Tierarzt Ihres Vertrauens:
Großes Blutbild - Herzuntersuchung - Urinuntersuchung - HD-Untersuchung - Kniescheiben-Untersuchung -
Augenuntersuchung bzgl. En- oder Ektropium - Luftdurchlässigkeit der Nasengänge und der Luftröhre.
- Beachten Sie gesundheitlich wichtige Gewichtsgrenzen bei den Elterntieren:
Ein Rüde sollte nicht über 29 kg wiegen, und eine Hündin nicht unter 21 kg!
- Weitere wichtige Hinweise habe ich im Blog-Beitrag
vom 16. 1. 2008
veröffentlicht. Es geht darum
Züchter zu meiden, die mit Ignoranz auf wissenschaftliche Erkenntnisse bzgl. der negativen Folgen der "Linien-Inzucht"
reagieren, und die statt dessen
mit Arroganz auf ihre persönlichen Erfahrungen verweisen.
Hinweis auf gute Würfe
Züchter, die gewissenhaft und verantwortungsvoll Würfe geplant haben und aufziehen, können sich gerne
bei mir melden. Würde ich es selbst wagen, einen Welpen aus solch einem Wurf zu kaufen, dann werde ich diesen
Wurf hier vorstellen.
Anmerkung:
Früher nannte ich einige Zwinger und Züchter namentlich, das habe ich jetzt geändert:
In manchen Zwingern gibt es gut auf Gesundheit und Vitalität geplante
Würfe und leider auch Würfe, aus denen ich nie einen Welpen kaufen würde, weil zb. ein Elterntier ein Angsthund oder
hyperaktiv ist, oder zu stark vom Standard abweicht, oder weil Linien-Inzucht betrieben wird u.s.w.
Deshalb nenne ich jetzt nur noch einzelne Würfe, aus denen ich selbst einen Welpen kaufen würde.
Dabei muß klar sein: eine Gesundheits-Garantie gibt es nie bei Lebewesen, die gibt es nur bei Geräten.
Wir können bei Welpen immer nur von einem hohen oder einem geringen Krankeits-Risiko sprechen.
Copyright © Cornelia Savory-Deermann
am 4ten August 2008; Email Adresse
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