Yvonne
Bleischwitz
yvonneb@upb.de
v Beschreibung
der Playfair Chiffre
v Eigenschaften
der Playfair Chiffre
Der Erfinder des Playfair Verfahrens
trägt nicht den Namen Playfair, sondern es war der Physiker Charles Wheatstone,
von dem die Idee dieser Methode stammt. Baron Playfair von St. Andrews war ein
Freund von Wheatstone, Sprecher im englischen Unterhaus und Präsident der
britischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Den Namen Wheatstone
bringt man heute noch mit der Wheatstone’schen Brücke in der Elektrizitätslehre
in Verbindung. Kryptographie war das Hobby der beiden Freunde. Sie
entschlüsselten Geheimbotschaften in der Londoner Times. Unter anderem
verfolgten sie die Korrespondenz zwischen einem Oxford Studenten und einer
verheirateten Dame aus London. Wheatstone setzte eine Anzeige in der von den
beiden Turteltauben benutzten Geheimschrift in die Times, um der Dame ins
Gewissen zu reden. Daraufhin schrieb der Student seiner Geliebten noch in einer
letzten Anzeige, dass ihre Geheimnachricht durchschaut worden sei, und sie sich
nicht mehr schreiben dürften. Hätten die beiden das von Wheatstone entwickelte
Playfair Verfahren verwendet, so wäre es eventuell schwieriger gewesen, ihre
Nachrichten zu knacken. Wheatstone hatte es entwickelt, um die Sicherheit in
der Telegraphie zu erhöhen. Playfair veröffentlichte dieses Verfahren später,
ohne den Namen des Erfinders zu verschweigen. Dennoch ist es immer noch unter
dem Namen Playfair Verfahren bekannt.
Erstmals wurde die Playfair Chiffre
im Krimkrieg eingesetzt. Im ersten Weltkrieg machte die britische Armee von ihr
Gebrauch, jedoch brachen sie die Deutschen ab Mitte 1915 regelmäßig. Die
Modifikation in Form des Doppelkasten wurde Mitte 1941
im zweiten Weltkrieg vom deutschen Sicherheitsdienst, der SS und der Wehrmacht
benutzt. Die Schlüsseltabellen wurden alle drei Stunden geändert. Aber auch das
Doppelkasten Verfahren wurde von den Briten unter Brigadier John H. Tiltman bis
Herbst 1944 häufig gebrochen.
Die Playfair Chiffre ist ein
Verschlüsselungsverfahren, welches immer zwei Buchstaben gleichzeitig
verschlüsselt. Solch ein Buchstabenpaar nennt man Digramm. Zuerst zeigen wir eine
sehr einfache Verschlüsselung, die noch nicht das Playfair Chiffre ist, aber an
der man verstehen kann, wie Buchstabenpaare, also Digramme, verschlüsselt
werden können. Für diese einfache Verschlüsselung kann man eine Tabelle
benutzen, in der alle Buchstaben von A bis Z einmal in der ersten Zeile, und
einmal in der ersten Spalte stehen. Dabei müssen die Buchstaben nicht der Reihe
nach aufgezählt werden, sondern können wild durcheinander stehen.
In dieser Tabelle stehen dann
Buchstabenpaare, und zwar genau 26 * 26 = 676 Stück. In der Tabelle sind diese
Paare in einer genauen Reihenfolge angeordnet. Das macht es uns einfacher, einen verschlüsselten Text wieder
zu entschlüsseln. Nehmen wir einmal an, wir möchten das Wort SOMMERFERIEN verschlüsseln.
Das funktioniert so:
1.
Zuerst teilen wir das Wort in
Digramme ein: SO-MM-ER-FE-RI-EN
2.
Dann fangen wir mit dem ersten
Digramm SO an: Wir suchen S in der ersten Spalte und O in der ersten Zeile, in denen die
dunkelblauen Buchstaben stehen. Dann gehen wir vom S aus nach rechts und vom O aus nach unten. In dem Eintrag der
Tabelle, der in der Zeile steht, in der auch S steht, und der in der Spalte steht, in der auch O steht, finden wir die
Verschlüsselung für das Digramm SO. In der Tabelle ist diese Verschlüsselung das Buchstabenpaar FJ. Für diesen Schritt sind in der
Tabelle die zwei Kästen eingezeichnet.
3.
Wir wiederholen den zweiten Schritt
für jedes Digramm.
4.
Das verschlüsselte Wort ist FJ-DF-IG-EH-GI-HG, und ohne die
Aufteilung in Buchstabenpaare FJDFIGEHGIHG.
|
|
H |
... |
M |
E |
O |
I |
N |
R |
… |
S |
|
O |
AA |
… |
DA |
EA |
FA |
GA |
HA |
IA |
… |
ZA |
|
… |
… |
… |
… |
… |
… |
… |
… |
… |
… |
… |
|
M |
AF |
… |
DF |
EF |
FF |
GF |
HF |
IF |
… |
ZF |
|
E |
AG |
… |
DG |
EG |
FG |
GG |
HG |
IG |
… |
ZG |
|
F |
AH |
… |
DH |
EH |
FH |
GH |
HH |
IH |
… |
ZH |
|
R |
AI |
… |
DI |
EI |
FI |
GI |
HI |
II |
… |
ZI |
|
S |
AJ |
… |
DJ |
EF |
FJ |
GJ |
HJ |
IJ |
… |
ZJ |
|
… |
… |
… |
… |
… |
… |
… |
… |
… |
… |
… |
|
N |
AZ |
… |
DZ |
EZ |
FZ |
GZ |
HZ |
IZ |
… |
ZZ |
Wie schaffen wir es denn jetzt, das
Wort FJDFIGEHGIHG wieder zu
entschlüsseln? Ganz einfach:
1.
Zuerst teilen wir das Wort wieder in
Digramme auf: FJ-DF-IG-EH-GI-HG.
2.
Danach fangen wir wieder mit dem
ersten Buchstabenpaar FJ an. Wir suchen die
Buchstaben F und J jetzt nicht in der ersten Spalte oder der ersten Zeile, sondern
wir suchen in den Einträgen der Tabelle, die aus den hellblauen
Buchstabenpaaren bestehen. Wir können einen Eintrag ganz leicht finden, da
diese Tabelle gut geordnet ist. Da F der 6. Buchstabe im Alphabet ist, und J der 10. Buchstabe, finden wir das
Digramm FJ in der 6. Zeile und der 10. Spalte.
Dann finden wir am Anfang der 6. Zeile den Buchstaben S und am Anfang der 10. Spalte den
Buchstaben O. Also haben wir schon einmal FJ zu SO entschlüsselt.
3.
Alle anderen Buchstabenpaare
entschlüsseln wir genauso.
4.
Das entschlüsselte Wort ist wieder SOMMERFERIEN.
Auf die gleiche Weise können wir das
Wort EFIGAHG entschlüsseln: SEEROSE ist die korrekte Entschlüsselung.
Wenn wir uns die Tabelle aufschreiben,
um Texte ver- und entschlüsseln zu können, dann besteht die Gefahr, dass jemand
diese Tabelle findet und auch die Geheimtexte entschlüsseln kann. Um dieses zu
vermeiden, merkt man sich in der Playfair Chiffre nur ein Wort, das sogenannte
Schlüsselwort. Wie dann die Verschlüsselung und die Entschlüsselung
funktioniert, zeigen wir jetzt:
BESCHREIBUNG DER PLAYFAIR CHIFFRE
Für das Playfair Verfahren brauchen
wir keine Tabelle mit 676 Einträgen, sondern es reicht eine Tabelle, die 5
Zeilen und 5 Spalten hat. Um so eine Tabelle mit Buchstaben zu füllen, benutzt
man ein Schlüsselwort. Nehmen wir doch einfach einmal ORCHIDEE als unser Schlüsselwort. Dann
schreiben wir diese Buchstaben der Reihe nach, Zeile für Zeile in die Tabelle.
Dabei lassen wir die Buchstaben weg, die wir schon in den Kasten eingetragen
haben. Das E wird dann nur einmal eingetragen.
Danach wird der Rest des Kastens der Reihe nach mit den Buchstaben des
Alphabets gefüllt, die noch nicht im Kasten eingetragen sind. Aber wir haben
doch nur 5*5=25 Einträge und 26 Buchstaben! Deswegen lassen wir das J einfach weg und machen keinen
Unterschied zwischen einem I und einem J. Wenn wir
zum Beispiel das Wort IUNGE
entschlüsselt haben, ist ein einfach zu raten, dass dieses Wort JUNGE heißen soll. Die Tabelle für das
Playfair sieht dann so aus:
|
|
|
Wie benutzen wir jetzt so eine
Playfair Tabelle? Angenommen, wir möchten einem Freund die Nachricht
ICH KOMME AM MITTWOCH schicken. Dann müssen wir diese Schritte durchführen:
1.
Zuerst teilen wir den Satz wieder in
Digramme auf:
ICH KOMME AM
MITTWOCH wird zu IC-HK-OM-ME-AM-MI-TT-WO-CH
2.
Falls ein Digramm aus zwei gleichen
Buchstaben besteht, fügen wir zwischen den doppelten Buchstaben ein X ein und teilen den Satz wieder in
Digramme auf. Wenn am Schluss ein Buchstabe fehlt, fügen wir auch ein X ein:
ICHKOMMEAMMITTWOCH wird zu IC-HK-OM-ME-AM-MI-TX-TW-OC-HX
3.
Jetzt gibt es drei verschiedene Fälle,
ein Digramm mit der Playfair Tabelle zu verschlüsseln:
a.
Die zwei Buchstaben liegen in
derselben Zeile der Tabelle, wie es zum Beispiel bei dem Digramm IC der Fall ist. Dann besteht das
verschlüsselte Paar aus den beiden Buchstaben, die in der Tabelle rechts vom I und C liegen. Rechts vom C liegt das H, welches
der Schlüsselbuchstabe für das C ist. Rechts
vom I liegt kein Buchstabe, dort ist die
Tabelle zu Ende. Wenn das passiert, dann nehmen wir den ersten Buchstaben in
derselben Zeile als Schlüsselbuchstaben. Hier ist der Schlüsselbuchstabe für
das I das O. Das verschlüsselte Digramm für IC ist also OH.
b.
Die zwei Buchstaben liegen in
derselben Spalte. Das kommt in unserem Beispiel nicht vor, aber es ist zum
Beispiel der Fall, wenn wir das Digramm GV verschlüsseln wollen. Dann besteht das Schlüsselpaar aus den
Buchstaben, die in derselben Spalte unter dem G und dem V stehen. Unter dem G steht das P, unter dem V gibt es keinen weiteren Buchstaben.
Dann nehmen wir den ersten Buchstaben in derselben Spalte, hier ist das das O.
Das verschlüsselte Digramm für GV ist also PO.