Adaptive Intelligenz. Das ist es! Des Rätsels Lösung, weshalb ich
"anders begabt" bin. So erzählen es Herrchen und Frauchen gerne den
anderen Hundebesitzern, wenn sie verzweifelt versuchen, mich zum
Herkommen zu verleiten, während die anderen Hunde auf ein Kommando
brav neben ihren Besitzern Sitz machen, ich aber fröhlich noch eine
Runde am Strand galoppiere. Ziemlich klug, kann ich nur sagen!
"Der Bulldog übernimmt die Vorlieben der Menschen!" wurde Sheila Alcock zitiert, und sie muß mich gekannt haben! Ich bin nicht nur der perfekte Hund, sondern auch der ideale Gärtner (Vorliebe für Gartenhandschuhe und Kleingeräte!!), ein ausgezeichneter Detektiv (Fachgebiet: Aufspüren von Leberwurstbrötchen; gerne auch ohne Brötchen), ein platzsparendes Sportgerät (Herrchen und Frauchen müssen schließlich ständig den Platz wechseln, weil ich gerade DA schlafen mag) und natürlich besser als jeder Sportwagen (tiefergelegt, Breitpfoten, kräftige Auspuff).
Frauchen braucht keinen teuren Schmuck und Herrchen kein Designersakko: Sie haben ja mich! Aufmerksamkeit gibt's mit mir ohne Ende, und wer sagt, es sei nicht klug, die Bedienung im Restaurant höflich, intensiv und mit schief gelegtem Kopf bittend anzuschauen, damit da jetzt bald mal ein Leckerchen serviert wird, der irrt natürlich. Es wirkt übrigens.
Ganz klug war ich auch bei der Erziehung meiner Großeltern frauchenseits, die sich offenbar damit abgefunden haben, statt eines Enkelkindes nun 27 Kilo Enkelhund verwöhnen zu dürfen. Denn wie anders ist es zu erklären, dass mir selbstverständlich bei jedem Besuch in einem eigens angeschafften Näpfchen frisch gekochtes ungewürztes Fleisch nebst Beilagen und zum Nachtisch die Vanillepuddingschüssel zum Auslecken serviert wird? Adaptive Intelligenz sage ich nur ;-)
Selbst der Hundelehrer, den wir in der Hundeschule hatten, hat mittlerweile aufgegeben, aus mir einen Schäferhund zu machen. Nun darf ich zusammen mit Cleo und Sammy das Titelblatt des Hundeschulprospektes schmücken, und wenn Herrchen und Frauchen mal wieder meinen, mit mir einen Kurs besuchen zu müssen, beweise ich schon, dass Bulldoggen ausgesprochen kluge Hunde sind.
"Bleib" zum Beispiel, ist ein schönes Kommando: Ich darf sitzen bleiben (prima!), schau mir in Ruhe an, wie Frauchen zwischen den anderen hindurch hetzt (soll sie doch!) und wenn sie wiederkommt, gibt's Leckerchen (super!). Auch "Platz!" und "Fuß!" sind okay, finde ich, alles schön bequem. Allerdings vertrete ich beim Kommando "Komm!" die Auffassung, dass hier schon genau abgewogen werden sollte, ob man für ein recht kleines Leckerchen und die Aussicht, an die Leine zu kommen, sein Spiel unterbrechen soll. Ich meine nein. Es sei denn, es ist sowieso grad langweilig und kein Busch in der Nähe. Ich finde es immer schade, wie die anderen ganz plötzlich unser Spiel unterbrechen, bloß weil da jemand ihren Namen ruft. Das ist nicht sehr klug.
Ah, ich las da gerade noch etwas Interessantes im Bulldogblatt: "Und der Bulldog musste klug sein, er mußte für sich selbst entscheiden, um zu überleben" steht da, und ich hab mich auch schon sehr früh entschlossen, dass der beste Platz zum Überleben nachts auf jeden Fall im Bett ist! Ich finde, Wachhund zu sein, wenn man wach ist, reicht völlig aus, da muss man nicht auch noch nachts aufpassen. Jeden Abend spielen wir ein lustiges Spiel, also ich finde es jedenfalls lustig, wenn ich dann zum Schlafengehen ins Gästezimmer getragen werde (der Flur wird dann gesperrt, da ein Überholen des Schwertransportes nicht möglich ist) und mich erst mal gemütlich hinkuschle und so tue, als ob ich fest schlafe. Meine adaptive Klugheit ermöglicht es mir, das tägliche Verfahren von Frauchen und Herrchen (Waschen, Zähneputzen, Schlafanzug an, hingelegt) genau bis zu dem Zeitpunkt abzuwarten, an dem im Schlafzimmer das Licht gelöscht wird. Dann springe ich ganz leise aus meiner Koje, tapse die fünf Stufen hoch, überquere dann kurz unterm Knie Herrchen, um mich seufzend zwischen den beiden niederzulegen.
Dummerweise (haben Menschen eigentlich eine adaptive Intelligenz???) tragen sie mich wieder runter, und manchmal spielen wir dieses Spiel so zwei oder drei Mal, bis es mir dann zu blöd wird. Da die beiden morgens so gegen 6 immer ganz fest schlafen, starte ich einen neuen Versuch, und nach einem resignierenden Blick auf den Wecker lässt man mich dann auch gewähren, so dass ich doch noch ein Stündchen damit verbringen kann, meine Schlaffläche auf bulldog-adäquate Größe auszudehnen (ca. ein Quadratmeter).
Ich glaub, Frauchen und Herrchen lieben mich schon wirklich doll und jetzt können sie auch anderen genau erklären, warum ich etwas tue oder besser gesagt: nicht tue ;-). Und sogar für die blöden Leute, die im Vorbeigehen bemerken, ich sei sicher gegen eine Wand gelaufen, haben die beiden nun die passende Antwort: "Er hat nur so viele Falten, damit das Blut des Gegners besser ablaufen kann!" Also wenn ich die Wahl zwischen einem Bullenkampf und einem Leberwurstbrötchen hätte, würd Frauchen sicher wieder schimpfen, weil ich ein kleines Sabberpfützchen unter mir hätte. Wegen der Leberwurst selbstverständlich. Die sichert schließlich mein Überleben...
In diesem Sinne,
Eurer adaptiv intelligenter
Henry
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