Franzensfeste – oder Glück im Unglück

(c) 2000, Helmi Fischer


Wir waren unterwegs in Österreich. Meine Goldwing (GL1000 BJ 1976) hatte mal wieder einen kleinen Defekt, und wir waren glücklich, eine Werkstatt zu finden, die den Schaden beheben konnte. Bei 40 Grad im Schatten erzählte uns der Schrauber von schönen Motorradstrecken, unter anderem auch vom Staller Sattel rüber nach Italien. Bei dem Wetter mußte das natürlich gefahren werden!

Als wir am Grenzhäuschen ankamen und die Schranke für uns hochging (jeweils 15 Minuten nur in eine Richtung), gings los – es fing zu regnen an, um nicht zu sagen, es goß aus allen Eimern ... Umkehren ging nicht, wenden unmöglich – also weiter. Als wir so richtig durchgeweicht waren und das Wasser in den Stiefeln stand (Regenzeug hatten wir selbstverständlich nicht an – 40 Grad hatten uns abgehalten und für die paar Meter lohnt sich das Anziehen doch nicht), waren wir auch schon im schönsten Stau auf italienischen Kleinstraßen.

Nach zwei Stunden in diesem Stau mit zähem Verkehr – unsere Stiefel waren mittlerweile wieder trocken – paßten wir uns der italienischen Fahrweise an, was meinem Nervenkostüm nicht gerade sehr zuträglich war (Wieso hupen diese Idioten, wenn ich an einer roten Ampel stehenbleibe ?!?). Also beschlossen wir, uns ein Hotel zu suchen. Wir waren nicht sehr erfolgreich – anscheinend hatte man in dem Hotel, das wir uns ausgeguckt hatten, Vorurteile gegen Motorradfahrer. Also fuhren wir weiter – die italienische Fahrweise wurde mir langsam immer vertrauter (Rote Ampel? Klar fahre ich weiter !)

Auf unserer Suche nach einem Hotel kamen wir dann irgendwann in Franzensfeste an. Am Ortseingang erschien uns alles doch sehr dubios, auf alten Kasernenruinen (meinten wir – es waren keine Ruinen) lungerten Militärposten herum und auch der Ort selbst war ziemlich heruntergekommen und erschien nicht gerade vertrauenerweckend. Na ja, wir brauchten ein Hotel für die Nacht und essen wollten wir auch noch was, also nahmen wir, was auf dem Weg lag und wo wir unsere Moppeds hinterm Haus parken konnten (Garagen gabs keine).

Nach einem wunderbaren Abendessen (den Reis zum Fisch konnte ich weder mit der Gabel noch mit dem Messer kleinkriegen) gingen wir schließlich auf unser Zimmer. Es ging nach hinten raus und wir hatten neben einer weiteren Honda auch unsere Motorräder im Blick . Da es ätzend warm war, ließen wir über Nacht das Fenster auf – auch zur Beruhigung meines Mannes, der um unsere Maschinen fürchtete. Da direkt hinter dem Parkplatz aber auch ein kleiner Fluß mit einem um so lauteren Wasserfall entlangplätscherte, beschloß ich in der Nacht, das Fenster wegen des Lärms doch zu schließen.

Am nächsten Morgen wurde direkt vor dem Fenster eine Maschine angeworfen. In der Annahme, daß jetzt eines unserer Moppeds geklaut wird, stürzte mein Mann im Halbschlaf zum Fenster – das natürlich NICHT geöffnet war – um den Diebstahl zu verhindern (aber wie?!). Es kam, wie es kommen mußte – er donnerte mit voller Wucht gegen die Scheibe, die zwar bedenklich knirschte, aber doch heil blieb. Der Besitzer der anderen Honda machte sich auf den Weg ...

Einerseits beruhigt, anderseits halb betäubt und ziemlich wütend wandte sich mein Mann seiner Frau zu, die erhebliche Mühe hatte, ernst zu bleiben und NUR ihr Bedauern zum Ausdruck zu bringen ...

 


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